Was bringt der neue Tag?
Er bringt zuerst den herzlichen Abschied von unseren Wirts Leuten, deren „Bonne Chance” sicherlich aufrichtig gemeint ist. Ihr Frühstück hat uns vorzüglich gemündet und wir hatten Schwierigkeiten, Maidame zur Annahme einer kleinen Aufmerksamkeit zu bewegen.
Die Wagenkolonne fährt gemächlich, es sind ja heute nur schäbige 35 km zu bewältigen. Am Ziel muss ich sofort als Dolmetscher ans Verhandeln gehen, denn das Chateau, in das unser Stab heute zieht, ist ein schwieriger Fall, wie ich sogleich merke, denn die Schlossherrin ist weniger als unliebenswürdig, sie ist eine Megäre in sehr ansprechender Verpackung. Ihr Mann ist unterwegs, wie sie sagt, vielleicht zu unserem Pech, denken wir. Denn mit jedem Mann muss das Verhandeln über Notwendigkeiten angenehmer sein als mit dieser bösartigen Frau. Drei, vier Offiziere will sie wohl aufnehmen, aber Mannschaften! Stellen Sie sich doch nur vor, wie die das Haus zurichten. Es ist ein gepflegtes Haus, das ich mir nicht ruinieren lassen will!
Natürlich muss Maidame auch Mannschaften aufnehmen, denn ihre blödsinnigen Vorurteile interessieren uns herzlich wenig. Was im Schloss keinen Platz hat, wird in den Nebengebäuden untergebracht.
Plötzlich rast Maidame zum Fenster: die Pkw sind in den Schutz der Bäume auf den Rasen gefahren. „Sehen Sie das, sehen Sie das! Die Wagen müssen sofort auf den Kiesweg fahren, kein Auto darf mehr auf den Rasen kommen!
Sie erhält eine kurze Belehrung, dass Zeit ist und uns demzufolge die Fliegerdeckung für unsere Fahrzeuge als wichtiger erscheint als die Pflege von Madams kostbarem Rasen. Sie verlässt uns ganz unvermittelt, ohne Antwort, denn ihr scharfes Ohr hat aus der Küche im Souterrain Geräusche vernommen. Sie eilt also dorthin. Wir benutzen die momentane Bewegungsfreiheit, um auch die anderen Räume des Chateau anzusehen, die Maidame uns nicht gezeigt hat. Die Einrichtung ist ganz nett, aber ein leichter Hauch von „Neureich” liegt über dem Ganzen. Platz genug haben sie jedenfalls, so dass sie unsere Einquartierung überstehen werden. Besonders gut gefällt uns das Studio von Monsieur. Wir betrachten interessiert einige gute englische Stiche, werden aber in dieser höchst harmlosen und friedlichen Beschäftigung von Maidame gestört, die inzwischen dem Treiben der Ordonnanz in der Küche mit geringem Erfolg entgegenzutreten versucht hat, um zu kontrollieren, was für gemeine Pläne wir wieder durchführen wollen. Sie schmeißt uns geradezu aus dem Herrenzimmer hinaus und behandelt uns von nun an, als hätten wir silberne Teelöffel gestohlen. Es ist schwierig, mit solch einer Megäre zu verkehren, denn sie ist ja nun einmal eine Frau, und gegen Frauen ist man ja in gewisser Hinsicht wehrlos.