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	<title>Leben in Farbe</title>
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		<title>Champagner</title>
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		<pubDate>Sun, 30 May 2010 10:10:46 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nunmehr startete ich meinen Erkundungsgang, mein ganzes Interesse auf Schaufensterauslagen, und hierbei besonders auf Champagnerflaschen konzentrierend. Was ich jedoch fast ausschließlich sah, waren zunächst Devotionalien und Gebetbücher. Wie können bloß all diese Geschäfte mit ihren Rosenkränzen, Kruzifixen, Nachbildungen der Kathedrale, Heiligenbildern, Metallgliedmaßen und den 1001 sonstigen Fetischen existieren ? Das ist ihre Sorge, aber ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nunmehr startete ich meinen Erkundungsgang, mein ganzes Interesse auf Schaufensterauslagen, und hierbei besonders auf Champagnerflaschen konzentrierend. Was ich jedoch fast ausschließlich sah, waren zunächst Devotionalien und Gebetbücher. Wie können bloß all diese Geschäfte mit ihren Rosenkränzen, Kruzifixen, Nachbildungen der Kathedrale, Heiligenbildern, Metallgliedmaßen und den 1001 sonstigen Fetischen existieren ? Das ist ihre Sorge, aber ich bin überzeugt, daß es ihnen zur „Saison&#8221; nicht an Käufern mangelt. Im Augenblick schien allerdings keine Saison zu sein, denn alle diese Geschäfte waren von Kunden leer.<br />
In den minder heiligen Zwecken gewidmeten Schaufenstern sah ich viele Flaschen, die zwar Champagnerflaschen täuschend ähnelten, deren Schilder aber auf „Perle de l&#8217;Auge&#8221; lauteten, also einen Cidre, denn im Augetal gedeihen keine Reben. Aber in einem Schaufenster standen die begehrten Flaschen aus Reims. Als ich in den Laden eintrat erfuhr ich, das Stück koste 90 Franc. Mir sträubten sich die Haare: vor wenigen Wochen noch hatte ich für den besten „Drapeau Americain&#8221; in Paris 4o Franc bezahlt. Aber es war jetzt überall dasselbe: die obskursten, billigsten Marken kosteten jetzt zwischen 8o und 100 Franc. Für deutsche Begriffe ist 4-5 Mark für eine Flasche Champagner nicht eben teuer, nach französischen Maßstäben ist es Wucher.</p>
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		<title>Caen</title>
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		<pubDate>Wed, 19 May 2010 05:17:20 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Eines Mittags hieß es nun nach Caen fahren. Uns beide, die es traf, berührte es nicht unangenehm, wenn auch das Wetter ausnahmsweise sehr trüb und regnerisch war. Aber trotzdem: Caen, die alte historische Hauptstadt des Départements Calvados, hätten wir schon seit längerer Zeit gern kennengelernt, ohne daß sich bis heute die Gelegenheit dazu geboten hätte. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines Mittags hieß es nun nach Caen fahren. Uns beide, die es traf, berührte es nicht unangenehm, wenn auch das Wetter ausnahmsweise sehr trüb und regnerisch war. Aber trotzdem: Caen, die alte historische Hauptstadt des Départements Calvados, hätten wir schon seit längerer Zeit gern kennengelernt, ohne daß sich bis heute die Gelegenheit dazu geboten hätte. Dies war eine günstige Gelegenheit. Über Dozulé ging die Fahrt durch zuerst welliges, dann immer flacheres Gelände. Mit den Hügeln verschwanden auch Weiden und Knicks, und wir trafen auf die ersten Getreidefelder der Normandie. Die Ernte war schon beendet, sauber und kahl breitete sich das Land. Die Gegend um Caen, ein geräumiges Tal, ist die Kornkammer des Calvados. Ihre Flachheit und zugleich damit ihr besserer Boden erlauben in größerem Umfang den Weizenanbau.</p>
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		<title>Rückfahrt</title>
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		<pubDate>Tue, 18 May 2010 21:15:21 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Gegen Mittag hieß es zurückfahren, so schwer es uns auch fiel. Ein unwiderruflich letztes Mal entschwand der stolze, massige Bogen des Arc de Triomphe im Dunst der übersonnten Avenue de la Grande Armée. Paris lag hinter uns, vor uns lag die Normandie. Die vier Stunden Fahrt zu unserem Schloß vergingen schon eintönig in der bekannten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gegen Mittag hieß es zurückfahren, so schwer es uns auch fiel. Ein unwiderruflich letztes Mal entschwand der stolze, massige Bogen des Arc de Triomphe im Dunst der übersonnten Avenue de la Grande Armée. Paris lag hinter uns, vor uns lag die Normandie. Die vier Stunden Fahrt zu unserem Schloß vergingen schon eintönig in der bekannten Landschaft. Aber Wilhelms zum besten gegebene Details von seinen Abenteuern in der vergangenen Nacht verkürzten uns die Zeit aufs angenehmste. Er war dank seiner gründlichen Erzählungsweise noch nicht fertig damit, als wir den steilen Weg im Park hinunterfuhren. Die Kameraden standen auf von ihren Sitzen in der<br />
Sonne vor dem Zelt. Es war nicht viel anders wie wenn wir aus Cabourg zurück gekommen wären. Nur der Ansturm war lebhafter.</p>
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		<title>Paris</title>
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		<pubDate>Tue, 18 May 2010 15:14:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Für einige Stunden sind wir nun in Paris, fühlen wir uns wieder heimisch auf dem glänzenden Asphalt, den wir sechs Wochen lang beschwert haben. Die Fahrt vorbei am Arc de Triomphe, durch die Champs-Elysees, über den Pont Alexandre III zum Quai d&#8217;Orsay mit unserem ehemaligen Quartier, dem „Palais d&#8217;Orsay&#8221;, ist ein frohes Sich-erinnern. Paris hatte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für einige Stunden sind wir nun in Paris, fühlen wir uns wieder heimisch auf dem glänzenden Asphalt, den wir sechs Wochen lang beschwert haben. Die Fahrt vorbei am Arc de Triomphe, durch die Champs-Elysees, über den Pont Alexandre III zum Quai d&#8217;Orsay mit unserem ehemaligen Quartier, dem „Palais d&#8217;Orsay&#8221;, ist ein frohes Sich-erinnern. Paris hatte sich in diesen zwei Wochen, die wir fort waren, nicht verändert, es herrschte die gleiche Geschäftigkeit in den Straßen, die Cafés auf den Boulevards waren genau so belebt wie zu der Zeit, als wir selber täglich davor gesessen hatten.</p>
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		<title>Apfelschnaps</title>
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		<pubDate>Fri, 14 May 2010 08:01:57 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[ Apfelschnaps! Ich besaß nun seit einigen Tagen eine Flasche voll dieses Getränkes, die mir der Diener Pierre zum Dank für eine kleine Gefälligkeit verehrt hatte. Ich hatte erst ein Glas voll davon getrunken und nach erfolgter Lösung eines starken Hustenreizes und Überwindung einer erhöhten Aktivität der Tränendrüsen beschlossen, diese Flasche für die schlimmste Winterkälte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> Apfelschnaps! Ich besaß nun seit einigen Tagen eine Flasche voll dieses Getränkes, die mir der Diener Pierre zum Dank für eine kleine Gefälligkeit verehrt hatte. Ich hatte erst ein Glas voll davon getrunken und nach erfolgter Lösung eines starken Hustenreizes und Überwindung einer erhöhten Aktivität der Tränendrüsen beschlossen, diese Flasche für die schlimmste Winterkälte aufzuheben. In der Kälte der letzten Septembernächte des vergangenen Jahres hatte ich in Polen ähnlich hochgrädigen Wodka schätzen gelernt, Wodka, der im übrigen ein Waisenkind gegen meinen  Calvados war.<br />
 In Erinnerung an die fernen Zeiten, in denen ich Whisky- und Cognac-Soda zu trinken pflegte, tauchte in mir nun die Erwägung auf, ob man nicht auch den Calvados ähnlich verwenden könne. Ich finde, daß schierer Whisky nach Petroleum und Seife schmeckt, vorausgesetzt es ist guter Whisky, mit Soda ist er eins der köstlichsten Getränke überhaupt. Calvados mit Soda schmeckte, wie ich nun unverzüglich feststellte, zwar immerhin schon erträglich, aber noch keineswegs angenehm. Ich dachte aber daran, daß es auch Cognac-Brause gibt, ein Getränk, das Damen auf Barhockern sehr zu schätzen pflegen. Also opferte ich nach der Flasche Sodawasser auch noch eine Flasche Sprudel, um einen letzten Versuch zu machen, und siehe da, als ich die Mischung an den Mund geführt hatte,  überzog ein freudiges Grinsen meine leicht verbittert gewesenen Züge. Es schmeckte wunderbar.<br />
Übrigens noch ein Tip reiner Meschenfreundlichkeit entspringt, da ich keine irgendwie gearteten Vorteile aus dem Vertrieb von Apfelschnaps habe: im Winter schmeckt Calvados-Grog ganz hervorragend, ähnlich dem Arrac-Grog, wenn man gut süßt. Aber auch hier Vorsicht bei der Abmessung des Calvados, sonst kann man schon nach einem Glase Grog mit Schlagseite zu Bett gehen.</p>
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		<title>Cidre</title>
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		<pubDate>Thu, 13 May 2010 09:55:17 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Einen Nachteil hatte die spendier Isolation unseres Schlosses, einen Nachteil, der uns schon am zweiten Abend nach unserer Ankunft ganz besonders unangenehm sinnfällig vor Augen getreten war: es gab hier oben nichts zu trinken, nichts wie Wasser und Milch. Die Tage waren heiß, und ein Soldat bedarf ohnedies stets bescheidener Mengen flüssigen Trosts.
 In unserer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einen Nachteil hatte die spendier Isolation unseres Schlosses, einen Nachteil, der uns schon am zweiten Abend nach unserer Ankunft ganz besonders unangenehm sinnfällig vor Augen getreten war: es gab hier oben nichts zu trinken, nichts wie Wasser und Milch. Die Tage waren heiß, und ein Soldat bedarf ohnedies stets bescheidener Mengen flüssigen Trosts.<br />
 In unserer Not beschlossen wir, es zunächst mit dem normannischen Cidre, dem schwachen und sauren Apfelwein, zu versuchen. Dies Getränk hatte zudem den Vorteil des niedrigen Preises, so dass wir uns eines Morgens fünfzig Liter in einem Fässchen besorgten, das uns Herr Maria, der Gärtner, geliehen hatte. Mit 75 centimes, also 3 % Pfennig, war der Liter gewiss nicht über zahlt. Beim ersten Mal, da das Fässchen geöffnet ward, es war beim Mittagessen, trank jeder ein Glas Cidre, abends tranken noch zwei Mann je ein Glas, und von dann an wurde der Hahn des in der Garage ruhenden Fässchens eigentlich nur noch aus Versehen geöffnet. Allgemein wurde behauptet, der Cidre schmecke abscheulich und sei höchstens als Abführmittel zu empfehlen. Gegen eine solche Kollektive Ablehnung verfing kein Vortrag über den angenehmen Geschmack und die zweifellos auch digestive Wirksamkeit dieses bodenständigen Volksgetränks. </p>
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		<title>Michele</title>
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		<pubDate>Wed, 12 May 2010 19:51:33 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Inzwischen sind wir rechtschaffen hungrig geworden. Müller harrt ein kaltes Abendbrot ohne besondere Attraktionen unser, ein Umstand, der uns nicht sehr reizvoll erscheint. Führen wir uns also ein anständiges Diner in einem Restaurant zu Gemüt, das mit einer Flasche Graves bestimmt eine  vergnügliche Angelegenheit werden wird gehen wir zusammen an Land, um einen Strandbummel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Inzwischen sind wir rechtschaffen hungrig geworden. Müller harrt ein kaltes Abendbrot ohne besondere Attraktionen unser, ein Umstand, der uns nicht sehr reizvoll erscheint. Führen wir uns also ein anständiges Diner in einem Restaurant zu Gemüt, das mit einer Flasche Graves bestimmt eine  vergnügliche Angelegenheit werden wird gehen wir zusammen an Land, um einen Strandbummel folgen zu lassen.</p>
<p>Ich sehe schon die Kameraden, die uns beide von weitem mustern, aber noch so intensiv mit der Bewunderung von Micheles Reizen beschäftigt sind, daß sie stumm und untätig bleiben. Ich nutze das aus, um meine Eroberung abseits zu ziehen und mit ihr zu promenieren. Sie ist nicht nur ein schönes, sondern auch sehr intelligentes Mädel, mit dem es wirkliche Freude macht sich zu unterhalten. Der Wahrheit die Ehre zu geben, sie war ein viel zu reizvolles Mädchen, um rein intellektuell für sich zu interessieren. Deshalb erörterte ich auch mit ihr, wie wir den weiteren Nachmittag und Abend zusammen verbringen wollten, eine Frage, die ihr durchaus nicht unsympathisch zu sein schien. Währenddessen bemerkte ich zwei meiner Kameraden, die sich mit äußerlich liebenswürdigen, aber doch unheildrohenden Mienen näherten. Während ich nachdachte, wie ich das abwenden könnte, was ich kommen sah, sagte Michele:<br />
„Dann ist es am besten, wir ziehen uns jetzt beide an und treffen uns in einer halben Stunde wieder.&#8221;</p>
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		<title>Die Gräfin</title>
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		<pubDate>Wed, 12 May 2010 06:05:12 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Tochter des alten Grafen, die Gräfin von Geschminkt (so lautete ihr Name in wörtlicher deutscher Übersetzung), sprach so deutsche Worte, mit denen sie beachtliche Erfolge erzielte. Sie hatte die Redseligkeit ihres Vaters geerbt, war aber ebenfalls nicht uninteressant dabei. Neben den Angelegenheiten unseres Zusammenlebens besprach sie vorwiegend das ungewisse Schicksal ihres Mannes mit uns. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Tochter des alten Grafen, die Gräfin von Geschminkt (so lautete ihr Name in wörtlicher deutscher Übersetzung), sprach so deutsche Worte, mit denen sie beachtliche Erfolge erzielte. Sie hatte die Redseligkeit ihres Vaters geerbt, war aber ebenfalls nicht uninteressant dabei. Neben den Angelegenheiten unseres Zusammenlebens besprach sie vorwiegend das ungewisse Schicksal ihres Mannes mit uns. Von ihrem Ältesten sprach sie nicht, denn sie hatte die Hoffnung verloren.</p>
<p>An der Gräfin von Geschminkt (ihr französischer Name war den meisten zu schwierig) hatten wir in der Folgezeit auch in den umliegenden Ortschaften unsere Freude, wenn sie, da es kein Benzin für ihren schönen Kraftwagen mehr gab, mit großer Würde auf einem kleinen Esel wagen saß, mit dem sie ihre Einkäufe erledigte. Sie war um ihren Sohn in Trauer, zog sich stets sehr einfach an und ließ lediglich ihrem Gesicht das zukommen, was ihm ihrem Namen nach gebührte. Es war ein komischer Anblick, die Gräfin auf ihrem Bock thronen zu sehen, während das kleine Grautier mit hängenden Ohren munter dahin trabte oder auch gelegentlich störrisch wurde und dann erst nach längeren Ansprachen seiner Lenkerin seine Pflicht wieder aufnahm.</p>
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		<title>Der alte Graf</title>
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		<pubDate>Tue, 11 May 2010 16:00:54 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nicht einmal der alte Graf vermochte etwas dagegen. Wir machten seine Bekanntschaft sehr bald nach unserer Ankunft, obwohl es uns zunächst schwer fiel, ihn als Grafen zu erkennen. Er schritt keineswegs in der malerischen Tracht des Malteserordens einher, dessen Ritter er war, sondern trippelte in einer Hose und einem Alpakajackett durch die Gegend, zu welcher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht einmal der alte Graf vermochte etwas dagegen. Wir machten seine Bekanntschaft sehr bald nach unserer Ankunft, obwohl es uns zunächst schwer fiel, ihn als Grafen zu erkennen. Er schritt keineswegs in der malerischen Tracht des Malteserordens einher, dessen Ritter er war, sondern trippelte in einer Hose und einem Alpakajackett durch die Gegend, zu welcher Kombination er einen gelben Strohhut trug. Diese Kreissäge schmückte er täglich mit zwei neuen wallenden Federn, deren Lieferanten meistens Hähne, zuweilen auch Fasanen waren. Nichts konnte den alten Herrn mehr begeistern, als wenn er auf einem Gang durch den Park eine derartige als Zierrat geeignete Feder fand. War seine Aufmachung also nicht gerade gräflich, so doch originell. Leider war der alte Herr fast taub, was ihn nicht hinderte, selber sehr gesprächig zu sein. Traf er in der Halle seines Schlosses auf einen Besucher, von dem er an nahm, dass er französisch verstünde, so nahm er ihn in jovialer Art beim Arm und erklärte ihm sämtliche Bilder im Schloss sowohl in künstlerischer Hinsicht als auch im Hinblick auf die Geschichte seines Hauses. Diese Erklärungen waren wirklich ungemein interessant, sofern der Zuhörer des Französischen mächtig war.</p>
<p>Für einen solchen war es ein Genuss zuzuhören. Diese Bilder aus Jahrhunderten zeigten weltberühmte Politiker köpfe, Könige und Kardinäle von Frankreich, unsterbliche Künstler und Schriftsteller und immer wieder Grafen von Prongues und ihre Frauen. Aus all dem sprach die innige Verflechtung eines großen Adelsgeschlechtes mit Glanz und Unglück seines Landes, diese Bilder ergaben förmlich in der Geschichte einer einzelnen Familie das auf einen kleinen, aber edlen Rahmen projizierte Geschichtsbild Frankreichs.</p>
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		<title>Unser Zelt</title>
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		<pubDate>Tue, 11 May 2010 07:54:48 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Schon der nächste Morgen bringt einen kurzen Sprühregen und lässt uns damit zu Bewusstsein kommen, dass wir uns auf die Dauer nicht mit dem gestern Nachmittag schnell auf die Terrasse neben dem Gärtner Haus gestellten großen Tisch und Stühlen als einzigem Aufenthalts und Speiseraum begnügen können. Es ist ja wunderschön, wenn es trocken ist, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon der nächste Morgen bringt einen kurzen Sprühregen und lässt uns damit zu Bewusstsein kommen, dass wir uns auf die Dauer nicht mit dem gestern Nachmittag schnell auf die Terrasse neben dem Gärtner Haus gestellten großen Tisch und Stühlen als einzigem Aufenthalts und Speiseraum begnügen können. Es ist ja wunderschön, wenn es trocken ist, aber bei Regen? Dieser Überlegung folgt auf dem Fuß die übliche große Debatte mit dem Thema: was also tun Als bester Plan kristallisiert sich aus dieser Debatte der Bau eines großen, hohen Zeltes aus dem mitgeführten  zahlreichen Zeltbahnen heraus, eines Zeltes, das idyllisch an die hohe Hecke am Teich angelehnt werden soll.</p>
<p>Mit Tatfreudigkeit wird diese Arbeit sofort in Angriff genommen und schon zu Mittag steht ein Zeh, das sich sehen lassen kann. Wo die Zeltbahnen an den Seitenwänden nicht ausreichten, wird eine dichte Wand aus Nadelholzzweigen angebracht, die Zug und Licht vollkommen abhält. Nach einer Schmalseite ist das Zelt offen, ein flaches Zeltdach verlängert hier den luftigen Bau sozusagen um eine gedeckte Veranda.</p>
<p>Jetzt kann uns weder Sonne noch Regen etwas anhaben. Wir freuen uns so kindlich wie der erste Mensch beim Bau seiner ersten Hütte.</p>
<p>Nun gilt unsere nächste Sorge der komfortablen Möbelierung unseres Zeltes, eine Aufgabe, die in wenigen Tagen vollkommen gelöst war.</p>
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