Landstrasse

Heiß brennt die Sonne auf das weiße Band der Landstraße Es ist Mittagszeit und unsere Kraftwagen-Kolonne hält in der kleinen Siedlung westlich von Lyon das wir vor wenigen Stunden verlassen haben. Steif und sogar ein wenig müde von der Fahrt im stickigen geschlossenen Wagen, auf dessen Verdeck ununterbrochen die Sonne gebrannt hatte, steigen wir aus, legen uns in den Schatten der Bäume am Straßenrand und essen erst einmal die Traubentüte leer auf der noch der Name der „Alimentation General“ in der Rue du Paris prangt

Die Rue du Paris und Lyon! Vor wenigen Stunden noch waren wir da wie zu Hause und jetzt liegt das alles schon so unendlich weit denn wir sind wieder unterwegs auf dem Marsch. Und auf dem Marsch denkt man nur an das was vor einem liegt, auch jüngst Vergangenes scheint unendlich weit zurück zu liegen. Jetzt ist die Landstraße wieder das was sie uns in dieser Zeit geworden ist unsere zweite Heimat. Seit wir Ende August auf einem gottverlassenen schlesischen Bahnhof nahe der polnischen Grenze ausgeladen wurden, haben wir vieles kennen gelernt, die schlechten polnischen Landstraßen, die bestenfalls mit Schotter bestreut waren, meistens aber nur aus Staub oder, wenn es regnete, nur aus Matsch bestanden. In vier Wochen haben wir Polens Straßen besser kennen gelernt als uns lieb war. Im Oktober desselben Jahres waren wir dann von der schönen, aber steilen Eifel über die Ahr zum Niederrhein gezogen. Trotz der Berge, die wir dabei zu überwinden hatten, waren die Straßen so verschieden von den polnischen wie Straßen nur verschieden voneinander sein können, so dass uns dieser Marsch von Kyllburg nahe der luxemburgischen Grenze bis Kempen am Niederrhein in weitaus angenehmerer Erinnerung ist als der Marsch von Trebnitz nach Lowitz. Nach dem langen, harten Winter am Niederrhein kam dann der Marsch Kempen—Lyon, wieder Marsch und Kampf zugleich wie in Polen. Und nun kommt nach sechs Wochen glücklich-schönen Aufenthalts in Lyon der vierte Marsch dieser Zeit, von Lyon nach Dozulé. Was hinter dem Namen Dozulé, den wir nur im strengsten Vertrauen und auch das noch unbefugt gehört haben steckt, das Wissen wir noch nicht. Ein Flecken in der Normandie ist es, das wissen wir, mehr aber auch nicht.

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