Nunmehr startete ich meinen Erkundungsgang, mein ganzes Interesse auf Schaufensterauslagen, und hierbei besonders auf Champagnerflaschen konzentrierend. Was ich jedoch fast ausschließlich sah, waren zunächst Devotionalien und Gebetbücher. Wie können bloß all diese Geschäfte mit ihren Rosenkränzen, Kruzifixen, Nachbildungen der Kathedrale, Heiligenbildern, Metallgliedmaßen und den 1001 sonstigen Fetischen existieren ? Das ist ihre Sorge, aber ich bin überzeugt, daß es ihnen zur „Saison” nicht an Käufern mangelt. Im Augenblick schien allerdings keine Saison zu sein, denn alle diese Geschäfte waren von Kunden leer.
In den minder heiligen Zwecken gewidmeten Schaufenstern sah ich viele Flaschen, die zwar Champagnerflaschen täuschend ähnelten, deren Schilder aber auf „Perle de l’Auge” lauteten, also einen Cidre, denn im Augetal gedeihen keine Reben. Aber in einem Schaufenster standen die begehrten Flaschen aus Reims. Als ich in den Laden eintrat erfuhr ich, das Stück koste 90 Franc. Mir sträubten sich die Haare: vor wenigen Wochen noch hatte ich für den besten „Drapeau Americain” in Paris 4o Franc bezahlt. Aber es war jetzt überall dasselbe: die obskursten, billigsten Marken kosteten jetzt zwischen 8o und 100 Franc. Für deutsche Begriffe ist 4-5 Mark für eine Flasche Champagner nicht eben teuer, nach französischen Maßstäben ist es Wucher.
Mit ‘Cidre’ getaggte Artikel
Champagner
Sonntag, 30. Mai 2010Cidre
Donnerstag, 13. Mai 2010Einen Nachteil hatte die spendier Isolation unseres Schlosses, einen Nachteil, der uns schon am zweiten Abend nach unserer Ankunft ganz besonders unangenehm sinnfällig vor Augen getreten war: es gab hier oben nichts zu trinken, nichts wie Wasser und Milch. Die Tage waren heiß, und ein Soldat bedarf ohnedies stets bescheidener Mengen flüssigen Trosts.
In unserer Not beschlossen wir, es zunächst mit dem normannischen Cidre, dem schwachen und sauren Apfelwein, zu versuchen. Dies Getränk hatte zudem den Vorteil des niedrigen Preises, so dass wir uns eines Morgens fünfzig Liter in einem Fässchen besorgten, das uns Herr Maria, der Gärtner, geliehen hatte. Mit 75 centimes, also 3 % Pfennig, war der Liter gewiss nicht über zahlt. Beim ersten Mal, da das Fässchen geöffnet ward, es war beim Mittagessen, trank jeder ein Glas Cidre, abends tranken noch zwei Mann je ein Glas, und von dann an wurde der Hahn des in der Garage ruhenden Fässchens eigentlich nur noch aus Versehen geöffnet. Allgemein wurde behauptet, der Cidre schmecke abscheulich und sei höchstens als Abführmittel zu empfehlen. Gegen eine solche Kollektive Ablehnung verfing kein Vortrag über den angenehmen Geschmack und die zweifellos auch digestive Wirksamkeit dieses bodenständigen Volksgetränks.