Mit ‘Pferde’ getaggte Artikel

Lustigen Witwe

Donnerstag, 06. Mai 2010

In der Nähe dieses Gutes liegt ein Weiler, in dem wir schnell einen Kram laden, verbunden mit rudimentärer Gastwirtschaft entdeckt haben. In diesem entlegenen Winkel gibt es sagenhafte Mengen an Eiern. Die Wirtin pries uns dieselben an, was gar nicht nötig war, denn Eier sind das Fundament unserer schnellen Landser Mahlzeiten, ein Fundament, das seinen Reiz nie verliert. Der dicke Gusto saß zuerst vor dem runden Tisch in der Küche hinter dem Laden. Der Radioapparat spielte Musik aus der „Lustigen Witwe”, am Herd stand die Blitz saubere, junge Wirtin und rührte für den Dicken das erste Omelett zurecht. Gusto musterte durch seine Brille mit zufriedenen Augen die Flasche weißen Bordeaux auf dem rot karierten Tischtuch, das riesige Stück Butter und das Weißbrot. Dazu schnupperte er wollüstig den Duft der gebratenen Eier. An diesem Tisch blieb er von ein Uhr mittags bis elf Uhr abends unerschütterlich sitzen und nur wenn die Natur ihr Recht verlangte, verließ er ihn auf wenige Minuten. Wie viel Eier in der mannigfachsten Form der Dicke in dieser Zeit verzehrte, weiß kein Mensch, aber nach der sehr vorsichtigen Kalkulation der Wirtin müssen es etwa zwanzig Stück gewesen sein, wozu natürlich erhebliche Mengen Brot mit Finger dicker Butter kamen. Dazu trank er mehrere Flaschen des süffigen Bordeaux und war glücklich. Um diesen dicken, ruhenden Pol herum gruppierten sich in bunter Abwechslung die anderen

Kameraden. Die Küche war zu einem sehr vergnügtem Lokal geworden, die Stimmung glänzend. Auch mehrere Ortsbewohner leisteten uns Gesellschaft. Wir gingen spät zu Bett, voll des süßen W eines.

Zu Monsieurs und Madames Entsetzen blieben wir auch noch den folgenden Tag in ihrem gastlichen Château, um die letzten 110 km am nächsten Tag in einem Rutsch ab zumachen. Der Tag verfloss ruhig, wie ein Ruhetag im Manöver; die meiste Zeit waren wir in der kleinen Kneipe, deren Weinvorrat schon der Neige zuging. Am Abend kam dann auch die Artillerie mit ihren vielen Pferden, die das viele Heu fressen sollten. Monsieur und Maidame sahen uns infolge dieser Ankunft plötzlich in einem sehr viel günstigeren Licht. Wir hatten doch wenigstens keine Pferde gehabt!

30 Pferde

Mittwoch, 05. Mai 2010

In den Nebengebäuden des Chateau leben Leute aller Nationalitäten, Landarbeiter und Gärtner aus Polen, Böhmen, Südslawen. Frankreich ist das Land mit der Landflucht, und zumal hier scheinen es französische Arbeiter nicht auszuhalten. Wir hören von diesen geduldigeren und anspruchslosen Leuten, dass der Schlossherr Besitzer mehrerer großer Zuckerfabriken, ungewöhnlich wohlhabend und noch knickriger ist. Nun, das soll uns gleichgültig bleiben, solange er sich uns gegenüber anständiger verhält als seine Frau. Während wir das sagen, kommt er schon an geritten auf einem nicht mehr jugendlichen Fuchs. Hastig flüstert mir ein Arbeiter zu, das sei der “Patron” und verschwindet vor dem Blick des Gestrengen.

An der Hofscheune, vor der wir gerade stehen, ist mit großen Kreidebuchstaben „30 Pferde” angeschrieben, die Einweisungszeichen der Artillerie-Abteilung, die übermorgen hier für längere Zeit Quartier nehmen soll. Ähnliche Zeichen stehen überall an Scheunen und Ställen, einige hundert Pferde werden wohl hier einziehen. Der Reiter versteht genug Deutsch, um zu wissen, was das bedeutet. Wütend will er weiter reiten, als ihn der dicke Gusto, unser Spaßvogel, anhält: „He, warte mal!” Der Patron dreht sich missbilligend um, aber angesichts Gutos Körperumfangs und der ihn noch unterstreichenden energischen Haltung lässt er seinen Zossen halten. Gusto weist auf die Kreide Einschrift und sagt, langsam, deutlich und mit Betonung:

Übermorgen kommen viele, viele Pferde. Bleiben viele, viele Wochen. Essen viel, viel Heu.”

Hierbei zeigt Gusto auf die nahen Heuschober und macht höchst anschauliche Essbewegungen. Seine Ausführungen wirkten so klar auf den geizigen Fabrik- und Gutsbesitzer, dass der Hofscheune, Heuschober und uns nacheinander mit erschrocken aufgerissenen Augen betrachtet, um anschließend weg zu sprengen, so schnell ihn seine Mähre tragen will, gefolgt von unserem fröhlichen Gelächter.